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01.06.2008
Haltet Euer (Milch)Pulver trocken
Aktueller Kommentar
von Mirko Wernicke
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Die
Zahlen sind beeindruckend: Der amerikanische Ölkonzern
Exxon Mobil gab kürzlich einen Nettogewinn von
40,6 Mrd. Dollar (28 Mrd. Euro) für 2007 bekannt.
Es ist der höchste Gewinn, den ein Unternehmen
weltweit jemals erzielen konnte. Die Gewinne der anderen
Ölkonzerne wie Royal Dutch Shell, BP & Co sind
ähnlich. Nicht zu vergessen; der komplette Rohstoff-
und Agrarsektor meldet einen Rekord nach dem Anderen.
Alle Anleger sind besoffen von den horrenden Gewinnen
in diesem Bereich, alle treibt die Gier in diesen Markt.
Ich warte nur noch auf den Tag, wenn Liesschen Müller
ihr geliebtes Sparbuch auflöst um einen Optionsschein
auf den Weizenfuture-Kontrakt zu kaufen.
Was nur die Meisten verdrängen: Die Zeche für
diesen Irrsinn zahlen wir alle (an der Tankstelle, beim
Bäcker, beim Metzger usw.). Die Bauern streiken
und kippen die Milch lieber in die Gülle als sie
unter Selbstkostenpreisen zu verkaufen (denn dummerweise
sind ja die Kosten für Futtermittel, Kraftstoff
und Dünger in astronomische Höhe geklettert).
Gut so! Endlich zeigen die Leute mal ein wenig Gegenwehr.
Lieber mit wehenden Fahnen untergehen als im halben
Jahr unbemerkt vom öffentlichen Interesse die Insolvenz
anmelden. Diesen Bauern gebührt mein aufrichtiger
Respekt.
Die Inflation in der EURO-Zone liegt schon bei 3,3%,
die Gewerkschaften boxen Lohnerhöhungen von 5 –
8% durch. Es wird langsam zum Luxus jedes Wochenende
zu grillen, weil die Putensteaks einfach unbezahlbar
geworden sind. Sind das die Voraussetzungen für
steigende Aktienkurse (mal abgesehen von den Öl-Multis
und Konsorten)?
Wie es in den anderen Branchen aussieht, dazu habe ich
mir einmal mein eigenes Bild gemacht!
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Luftfahrt
Kürzlich erst hat Air Berlin (Deutschland`s 2 größte
Fluglinie) die Jahresgewinnprognosen in Frage gestellt,
der Grund – wen wundert es – der extrem
hohe Rohölpreis. Ryanair – der Pionier der
Billigflieger – musste die Preise für Flugtickets
erneut anheben, um den gestiegenen Kerosinkosten zu
begegnen. Alitalia, die größte Fluglinie
Italiens, ist seit Monaten faktisch Pleite. Täglich
werden über 1 Mio. EUR Verlust „erwirtschaftet“
– nur durch einen Kredit der Italienischen Regierung
als Hauptgesellschafter wird die völlige Zahlungsunfähigkeit
verhindert - vorläufig.
In Amerika fusioniert jeder mit jedem um ein Überleben
der Fluglinien zu ermöglichen. Im vergangenen Monat |
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hatten die US-Fluglinien Delta
und Northwest vereinbart, sich zur größten Fluggesellschaft
der Welt zusammenzuschließen. Dagegen hat die US-Fluggesellschaft
United Airlines (UAL) einer Fusion mit US Airways eine Absage
erteilt. Angesichts der hohen Treibstoffkosten sei der derzeitige
Status der Fluglinie aber nicht haltbar, stellte der Chef
der UAL Glenn Tilton klar. "Das Ausmaß der Herausforderungen
erfordert beispiellose Veränderungen". Soll man
diese Aussage noch kommentieren?
Lediglich die Deutsche Lufthansa hält an ihren Ertragsprognosen
fest…hier scheinen die Manager mehr zu können als
nur Wasser kochen. Ehrlich gesagt würde es mich wundern,
wenn nicht auch hier noch eine Gewinnwarnung ins Haus steht.
Automobile
Ein ziemlich gemischtes Bild bieten derzeit die großen
Automobilkonzerne dieser Welt. Während die Deutschen
Konzerne noch ordentliche Jahresgewinne ausweisen konnten
(Daimler: 8,0 Mrd. EUR; Porsche: 5,9 Mrd. EUR; BMW: 3,9 Mrd.
EUR vor Steuern) sieht es bei den Autobauern aus den USA deutlich
schlechter aus (Ford und General Motors haben 2006 und 2007
Rekordverluste in Milliardenhöhe ausgewiesen, 10.000de
Stellen gestrichen und diverse Werke geschlossen). Ach ja,
Toyota als Maß aller Dinge, hat im Jahr 2007 soviel
verdient wie noch nie in der Unternehmensgeschichte! Aber
die Zahlen von 2007 sind Geschichte, nichts ist älter
als das Kursblatt von gestern – und an der Börse
wird immer nur die Zukunft gehandelt. Wenn man sich die aktuellen
Spritkosten betrachtet, sollte man immer ein bisschen Valium
zur Hand haben, um nicht zu hyperventilieren.
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Viel
wichtiger für mich dabei ist jedoch die Tatsache,
dass der Dieselpreis inzwischen deutschlandweit über
dem Preis für Super-Benzin liegt. Wenn man bedenkt,
dass ca. 41% aller PKW-Neuzulassungen im Jahre 2007
Dieselfahrzeuge waren, diese gegenwärtig aber
bei den Neu- und Gebrauchtwagenhändlern wie festgenagelt
stehen, stellt sich mir doch die Frage: Steigen die
Käufer alle auf Benziner um oder kaufen sie erst
später oder gar nicht? Ich bin schon auf die
Absatzzahlen für Q2 gespannt, ein Zuwachs wäre
für mich absolut irrational. |
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Banken
Wieviele 100 Mrd. bereits abgeschrieben wurden, weiß
ich gar nicht mehr so genau. Spielt für mich
auch gar keine Rolle ob nun 200 Mrd. oder 300 Mrd.
Fakt ist doch, dass viele hochbezahlte Banker unendlich
viel Geld in Produkte investiert haben, von denen
sie im Detail nicht wussten, was sich dahinter verbirgt.
Nicht nur, das Bear Stearns und die IKB pleite sind
und Citigroup, UBS & Co Abschreibungen in nie
dar gewesener Höhe vornehmen mussten…auch
jede kleine „popelige“ Landesbank in Deutschland
ist mit diesem Virus infiziert! Und nur, weil die
Kurse an der Börse seit 6 Wochen nicht mehr fallen
sondern leicht steigen (viel mehr ist es im Moment
nämlich gar nicht) heißt es noch lange
nicht, dass die Bankenkrise vorbei ist. Die Banken
sind derzeit billig bewertet – liest man überall
– aber nur wenn die Jahresprognosen für
2008 erfüllt werden. Wenn nicht…na ja,
die Börse wird angemessen darauf reagieren!
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Mein Fazit
Für mich ist gegenwärtig die Zeit, sein
Pulver trocken zu halten. Risikolose 4-5% sind mir
aktuell lieber, als der Versuch, mit gewagten Spekulationen
den letzten kleinen Gewinn aus dem Weizenpreis herauszukitzeln.
Man sollte immer nur darin investieren, was man versteht.
Früher galt noch der Satz: „Was interessiert
es mich, wenn in China ein Sack Reis umfällt!“
Inzwischen kann dieser umgefallene Sack Reis den gesamten
Rohstoffsektor erschüttern. Und weil ich das
nicht verstehe, halte ich mich lieber raus!
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