Liebe Freunde
der Fastenzeit!
von Elly Grünspan
(Wittenberge, 28.02.2009) |
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Der
Karneval ist vorbei, die tollen Tage fanden am Aschermittwoch
ihr übliches Ende. Wenn man das von dem närrischen
Treiben im Tollhaus Börse auch mal sagen könnte.
Erinnern Sie sich eigentlich daran, dass der Dax am
Jahresanfang noch über 5.000 Punkte stand? Und
nun haben es die Jecken am Aktienmarkt endlich geschafft,
ihn unter die 4.000er Marke zu drücken. Wolle
mer ihn falle lasse? Die Aktien werden verschleudert
wir olle Kamelle im Straßenkarneval. Schon wieder
20% Verlust in 2 Monaten. Helau und Alaaf. Und als
nächstes Kursziel wird Dax 3.000 herumgereicht.
Wer da nicht närrisch wird…
Mein Lieblingsbüttenredner von der Deutschen
Bank, Chefvolkswirt Norbert Walter, sah sich angesichts
allgemein fallender Wachstums-prognosen genötigt,
sich selbst noch mal zu toppen. Also sieht er jetzt
einen Rückgang von 5% in Deutschland 2009. Damit
hat er wohl wieder die Nase vorn. Medienpräsenz
gesichert, gut fürs Ego. Mein Gott, Walter. Selbst
unser Jung-Wirtschaftsminister und Michael Glos-Nachfolger
zu Guttenberg forderte jetzt, dass dieses Wettrennen
der Volkswirte um die negativste Prognose endlich
aufhören müsse. Wie sollen sich da positive
Zukunftsgedanken und Konsumfreude entwickeln? Mal
ganz am Rande, wer war Michael Glos? Egal,
wenn man sich jetzt aber die Umsatzrückgänge,
oder besser Umsatzeinbrüche anschaut, die in
den letzten Tagen von Firmen verschiedener Branchen
gemeldet wurden, da ist man versucht, sich -selbstverständlich
äußerst |
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widerwillig- mit Norbert Walter anzufreunden.
Die Investoren und Spekulanten sind aber auch mit nichts zufrieden
zu stellen. Nun ist Barack Obama schon Präsident, beträgt
das amerikanische Haushalsdefizit bereits 1.700.000.000.000
US-Dollar, weil der Staat alles stützt, was an Krücken
geht. Trotzdem wird verkauft, verkauft, verkauft. Der Dow
Jones fällt täglich in 100er Schritten auf zuletzt
7.000 Punkte. Bei 9.000 war er in dieses Jahr gestartet. Und
hatten wir Börsianer im Fasching schon nichts zu lachen,
beginnt jetzt auch noch die Fastenzeit.
Geht der Gürtel noch enger zu schnallen? Müssen
wir unseren Renditehunger noch weiter mit 1-4% auf diversen
Tagesgeldkonten stillen? Wo steht der Dax erst, wenn demnächst
wieder saisonal „Sell in may and go away“ zitiert
wird? Oder fällt diese Börsenweisheit in diesem
Jahr aus und wir Anleger haben nun endlich genug gedarbt.
War das große Fasten heilsam für exzessive Überschwänge
und die Börse stellt endlich von Mager- auf gesunde Vollkost
um? All die positiven, (Zweck-)Optimismus gebenden Argumente
der letzten Monate, wie niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse
und hohe Dividendenrenditen wurden durch den Wirtschaftsabschwung
zweifellos pulverisiert. Die KGVs schnellen momentan nach
oben, sobald die Gewinnerwartungen drastisch zurückgeschraubt
werden, wenn wir überhaupt noch von Unternehmensgewinnen
reden können. Und die Dividenden wurden noch 2008 erwirtschaftet,
ähnliche Beträge werden nicht so schnell wieder
zu erzielen sein. Aber wie singt Wolfgang Petry „Eine
kleine Chance gibt’s noch, die mich weiter hoffen lässt…“
Die Stimmung ist so schlecht wie zuletzt im Frühjahr
2003. Wohlgemerkt, der Dax stand damals knapp über 2.000
Punkte und begann just in dieser Zeit seinen 5 Jahre andauernden
atemberaubenden Aufstieg zum 8.000er Gipfel. Wie singt Wolfgang
Petry dann weiter „… Wunder gibt es immer wieder…“
Ein Wunder muss auch her für Opel, damit diese traditionelle
Automarke überlebt. Unter dem Dach von General Motors
wird dies sicherlich nicht zu schaffen sein. Aber im Gegensatz
zu den Schweden, die alles Bitten und Betteln der schwedischen
GM-Tochter Saab ignorierten und den Weg in die Insolvenz nicht
verhindern wollten, sind deutsche Politiker ja gern als Unternehmensretter
zur Stelle. Noch dazu in einem Superwahlkampfjahr. Ich freue
mich ja auch, wenn mit Opel ein gutes Stück deutscher
Industriegeschichte nach jahrzehntelanger Irrfahrt in amerikanischem
Besitz wieder in deutsche Hände zurückkommen würde.
Aber mal ganz ehrlich, die notwendige Neuordnung des Automobilsektors
wird dadurch verhindert oder verzögert. Die weltweiten
Überkapazitäten können doch im Grunde auf längere
Sicht nur durch den Marktaustritt der schwächsten Hersteller
abgebaut werden. Und dazu gehört nun mal auch Opel. Wussten
Sie eigentlich, dass Adam Opel nie Autos bauen wollte, sondern
mit Nähmaschinen anfing und später der weltgrößte
Fahrradhersteller war? Zwischendurch wurden auch Raketen-,
Torpedo- und Flugzeugteile sowie Kühlschränke produziert.
Aber die goldenen Zeiten, in denen Opel Europas größter
Automobilhersteller war, sind halt lange vorbei.
Apopros Gold, in der März-Kolume 2008 schrieb ich vom
sagenhaften Preisanstieg beim Gold. Nachdem es in einer Phase
größter Euphorie die 1.000 $ je Feinunze erreicht
hatte und nach über-wiegender Marktmeinung in Richtung
2.000 marschieren sollte, setzte es zu einer einjährigen
Korrekturphase an, die es auf 700$ zurückbrachte. Nun
steht Gold wieder an der 1.000er Marke, kaum ein anderer Rohstoff
hat sich so zügig erholt. Klar, Gold ist Krisengewinner.
Aber ich möchte an dieser Stelle noch mal an die derzeit
überwiegende Marktmeinung bei Aktien erinnern, Dax 3.000…
Eure Elly Grünspan
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