Liebe Freunde der Abwrackprämie!
von Elly Grünspan (Wittenberge, 24.05.2009)
Man kann ja gar nicht so viel Abwrackprämie zahlen, wie man in diesem Land so manches verschrotten möchte…Und zwar nicht nur alte Autos.
Das fängt an bei politischen Talkshows und inflationären Koch- und Volksmusiksendungen im Fernsehen, über Reklame für probiotische Drinks oder Handyklingeltöne und gilt für so ziemlich alle lebenden Werbeträger von Botoxspritzen und Silikonimplantaten aus dem Geld- und Blutadel. Aber bleiben wir mal lieber wie der Schuster bei seinen Leisten. Denn es geht weiter mit unfähigen Managern, die mal an den Märkten, und noch häufiger an sich selbst scheitern oder mit fähigen, aber profilierungssüchtigen Strategen, wie den Schäfflers, Porsches und Pieches, die
gesunden Unternehmen vorstehen, aber dessen nicht genug unbedingt zu Weltgeltung streben müssen. Typisch deutsch. Das schlimme ist, wenn die alle irgendwann abgewrackt sind bzw. abgewirtschaftet haben, bekommen die auch noch glatt ihre Prämie. Oder klagen sie schamlos ein. Und wenn die aus einem staatlichen Rettungstopf stammt. Geld stinkt nicht.
Dann wären da auch noch die Politiker, die die Finanzkrise, Rezession und Firmenpleiten sowie die daraus resultierenden Ängste der Bürger für die eigene Wahlkampfselbstdarstellung missbrauchen, die sich die Wählerstimmen in bekannter Manier durch haltlose Versprechungen erkaufen. Das Wahlkreuz von den Rentnern mit gesetzlich verankerter Rentensteigerung, von den Armen durch höhere Sozialleistungen und Reichensteuer, von den Reichen durch niedrigere Spitzensteuersätze und höhere Erbschaftsteuerfreibeträge und von der Mittelschicht durch mehr Kindergeld, weniger Sozialabgaben und von allem ein bisschen. Aber im Grunde ist der Wähler Schuld, der den tumben Wahlkampfparolen immer und immer wieder folgt.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, bitte wählen Sie bei den nächsten Wahlen unbedingt die gleichen fähigen und unfähigen Leute wie beim letzten Mal. Sonst zahlen wir für Heerscharen arbeitsloser Minister, Staatssekretäre und Abgeordneter eine lebenslange Abwrackprämie, sprich Pensions-leistungen. Und zwar zusätzlich zu den Diäten für die Neueinsteiger.
Wie gelingt mir jetzt der Übergang zur Börse? Die Hälfte der Aktionäre der Hypo Real Estate hat ihre Aktien für eine Abwrackprämie von € 1,39 dem Staat angedient und damit die Verstaatlichung eingeleitet. Der ein oder andere wird sie vor Jahren mal für € 58,00 erworben haben. Großinvestor Flowers hat im Juni 2008 immerhin noch € 22,50 bezahlt. Von seinen 1,1 Mrd Euro sind weniger als 100 Mio. übrig geblieben. Knapp 100 Mrd. Euro Steuergelder hat der Staat schon zuschiessen müssen. Und das alles nur, weil in der Chefetage die goldene Bankregel vergessen wurde, die schon Bankkaufmannazubis erlernen, langfristige Ausleihungen sind langfristig zu refinanzieren (Fristenkongruenz). Altbewährtes Kaufmannswissen wurde für eine gewinnsteigernde Fristentransformation (kurzfristige Refinanzierung) aufgegeben. Das Gebot kaufmännischer Vorsicht schienen viele Börsianer bis Mitte Mai ebenfalls ausgeblendet zu haben. Trotz täglich neuer Gewinnwarnungen aus der Industrie trieben sie den Dax bis knapp über die 5.000 Punkte und den Dow Jones auf fast 8.600. Vom Jahrestief hatten beide Indizes damit ca. 38 bzw. 31% zugelegt. Erst dann stellten sich die Anleger wieder kritische Fragen, z.B. nach der Seriösität des Stresstests bei amerikanischen Banken und der Wirksamkeit bzw. Nachhaltigkeit der staatlichen Konjunkturhilfen. Die schöne neue Zuversicht seit Mitte März war schlagartig vorbei. Aufgrund der großen Rezessionsängste hatten aber bislang nur wenige Investoren den Mut, an die Märkte zurückzukehren, warten mit vollen Tagesgeldkonten auf jeden Rückschlag zum Einstieg. Performancedruck, der zum Handeln zwingt. So hat sich der Dax die letzen Tage an seinem 200-Tage-Durchschnitt eingependelt, die Optimisten wollen ihn Richtung 6.000 loben, die Pessimisten in Richtung 4.000 drücken. Der Euro ist aus dem zuletzt beschriebenen Dreieck nach oben ausgebrochen und dann Richtung 1,40 durchmarschiert. Auch das Öl hat mit einer langgezogenen Untertassenformation charttechnisch eine Trendwende eingeläutet. Nach einer kurzen Verschnaufpause sollte es bei beiden weiter nach oben gehen. Hoffentlich in kleinen Schritten und nicht gleich wieder überhitzt.
Zum Schluss noch etwas Geschichte. Die Postbank wird dieses Jahr 100 und der Optionsschein 20 Jahre alt. Die Dresdner Bank wurde gerade nach 137 Jahren durch die Fusion mit der Commerzbank im Handelsregister gelöscht. 1923 hatte sie aufgrund der Inflation zeitweise eine Marktkapitalisierung von 204 Billionen Mark, nach der Währungsreform von 78 Mio. Goldmark. 1931 musste sie im Zuge der Bankenkrise Vorzugsaktien über 200 Mrd. Reichsmark ausgeben, um die Eigenkapitalbasis zu stärken, anschließend war der Staat mit 66% größter Anteilseigner... Ja, Sie lesen richtig. Billionen, Inflation, Staatsbeteiligung. Damals wie heute. Der Mensch wird einfach nicht klug, oder? Immerhin würde heute wohl keiner mehr ein Vermögen für eine Tulpenzwiebel ausgeben. Aber wer weiss, wenn sie die Werbung als potenzsteigernd und schweinegrippeabtötend beschreibt…

Eure Elly Grünspan