Liebe Freunde
des King of Pop!
von Elly Grünspan
(Wittenberge, 29.06.2009) |
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Michael
Jackson lebt nicht mehr. Ein ungewöhnlicher Einstieg
für eine Börsenkolumne. Ich weiß. Aber die
Nachricht von dem plötzlichen Tod des vielleicht größten
Musikgenies der Moderne ließ mich innehalten beim
Schreiben dieser Kolumne. In einer Zeit, in der „Superstars“
am Fließband gecastet werden und dann inflationär
One-Hit-Wonder produzieren, verliert die Musikwelt einen
wahren Giganten - 750 Millionen verkaufte Tonträger.
Für einen Plattenvertrag mit Sony bekam er einst 900
Millionen Dollar. Rekord bis heute! Dem Vernehmen nach ist
er trotzdem hoch verschuldet gestorben. Ende einer menschlichen
Tragödie. Behalten wir in uns die Erinnerung an einen
herausragenden Künstler, an unsterbliche Songs und
einen unvergesslichen Tanzstil. Danke, Michael.
Bei meinem Innehalten kamen mir auch ein paar Gedanken,
die ich auf uns Hobbybörsianer übertragen möchte.
Geld ist nicht alles, es zu erwerben ist schwer, es zu erhalten
nicht weniger. Ruhm ist vergänglich und das Leben ist
endlich. Erfolgreich ist, wer mit Leidenschaft und Hingabe,
Disziplin und Fleiß seine Ziele verfolgt. Echte Legenden
unter Investoren oder Analysten, Bankern und Bossen gibt
es auch in der Wirtschafts- und Börsenwelt nur wenige,
nachhaltiger Erfolg über Jahrzehnte spricht für
sie, Casting-Typen viel zu viele. Schneller Tipp, schnelles
Geld, hochgepusht, tief gefallen. Tief gefallen sind auch
die meisten Kurse im Juni. Dabei wurden viele nach den Gewinnen
seit März doch schon fast wieder euphorisch. Ok, tief
gefallen muss man vielleicht relativieren.
Wenn sich manche Aktien seit den Jahrestiefstständen
verdoppelt haben, ist ein Rückgang um 20% schon vertretbar.
Der Dax hatte mehrfach versucht, den Bereich zwischen 5.100-5.200
Punkten zu überschreiten. Schließlich wurde ihm
vielerorts doch Kurspotential bis 5.350 zugesprochen, bis
er dann mustergültig konsolidieren sollte. Nun ja,
so weit hat er es nicht geschafft. Fürs erste, hoffe
ich. Der Rückschlag kam dann in ziemlich großen
Schritten bis 4.660 und neue Kauffreude stellte sich seitdem
immer noch nicht ein. So manch einer hat hier wohl dann
doch die Reißleine gezogen und die ansehlichen Gewinne
aus nur 3 Monaten mitgenommen. Denn die Aussichten in der
Wirtschaft sind momentan bei weitem noch nicht so gut, wie
uns die Aktien- und Rohstoffmärkte zuletzt weismachen
wollten. Auch wenn immer mehr Frühindikatoren das Erreichen
der konjunkturellen Talsohle aufzeigen und leichten Optimismus
versprühen. Aber von welcher Basis geht diese zarte
Erholung aus? Wenn Auftragseingänge um 50, 60, 70 %
eingebrochen sind, bringen 10% Anstieg nicht wirklich bessere
Zeiten. Und so gehen ja z.B. auch alle von einer weitaus
höheren Arbeitslosigkeit in 2010 aus.
Die europäische Zentralbank hat den Banken über
400 Mrd. Euro neues Geld zur Verfügung gestellt. Zinssatz
irgendwo um fantastische 1% für 1 Jahr. Aber wo mag
das Geld wohl hinfließen? Wird es die von Unternehmen
gespürte, aber von Kreditinstituten bestrittene Kreditklemme
auflösen? Wird es in Kapitalerhöhungen, Unternehmensübernahmen
oder Börsengänge fließen? Oder ganz, ganz
leise die Abschreibungen im Firmenkreditgeschäft ausgleichen,
weil immer mehr Betriebe Insolvenz anmelden. Damit wären
wir bei Arcandor. 40+X, so lautete das Kursziel von Ex-Vorstandschef
Middelhoff vor 2 Jahren. Schlusskurs letzte Woche €
0,62. Ich lass das jetzt einfach mal unkommentiert stehen...
Peer Steinbrück hat seine Kontoauszüge durchgesehen
und errechnet eine Neuverschuldung von 80-100 Mrd. Euro
in diesem und im nächsten Jahr. Was da auf uns Steuer-
und Beitragszahler in den nächsten Jahren zukommt,
wird ganz bitter werden. Glaub ich. Jedenfalls fehlt mir
eine Vorstellung, wie es anders sein könnte. Franz
Beckenbauers „Schaun mer mal“ dafür zu
zitieren, klingt fast zu leichtfertig.
Die eingangs erwähnten Legenden unter den Investoren
raten derzeit nach wie vor mehrheitlich zum Einstieg. Qualitätswerte
und Rohstoffe stehen ganz oben in ihrer Gunst. Vertrauen
wir mal auf ihre Erfahrung und tun es ihnen gleich. Alternativen
gibt es ja auch kaum. Euro und Öl konsolidieren wie
erhofft ihren letzten Anstieg und sollten dann weiter nach
oben tendieren. Das Gold ist trotz aller Fürsprachen
erneut nicht über 1.000 Dollar geklettert und das bleibt
aus meiner Sicht auch so.
Der Confed-Cup in Südafrika hat viele daran erinnert,
dass nächstes Jahr ja wieder Fußball-WM ist.
Wie schnell die Zeit seit dem Sommermärchen doch verging.
Mit schöner Regelmäßigkeit werden im Vorfeld
die Sportartikelhersteller als vermeintliche Gewinner zum
Kauf empfohlen. Seien Sie dieses Mal doch die Ersten, die
adidas, Nike und Puma gekauft haben. Noch bevor es die anderen
merken…
Eure Elly Grünspan