Liebe Freunde von Wum und Wendelin!
von Elly Grünspan (Wittenberge, 31.07.2009)
Kennen Sie noch die Fernsehsendung „Der Große Preis“? Fast 20 Jahre lang rief Wum nach seinem Moderator - „Thööööölke!“ und Wendelin trötete dazu mit seinem verknoteten Rüssel. Drei Kandidaten spielten um den Haupt-gewinn. Glück war sicherlich nötig, aber noch mehr das gute Wissen im jeweiligen Spezialgebiet. Den „Großen Preis“ wollte auch Wendelin Wiedeking gewinnen. Einst rettete er Porsche vor der Pleite, wollte er nun sein unbestrittenes Manage-mentmeisterstück in Zuffenhausen mit der Übernahme der vielfach größeren Volkswagen AG krönen. Dafür war er auch bereit, wie damals die Kandidaten „RISIKO“ zu spielen und einen ordentlichen Einsatz zu bestimmen...
mit Krediten irgendwo zwischen 10-14 Mrd Euro hat er es dann tatsächlich geschafft, über Optionen die Mehrheit an VW zu sichern. Der rasante Kursanstieg auf über 1.000 Euro im vergangenen Jahr, als kaum noch freie VW-Stammaktien handelbar waren, bleibt unvergessen und sicherte Porsche 2008 einen Jahresüberschuss von 8 Mrd. Euro (vor Steuern), bei nur 7,5 Mrd Euro Umsatz wohlgemerkt. Wiedeking und sein Finanzchef Härter wurden bereits als Genies gefeiert, der große Preis für DEN Manager 2008 war ihm sicher, genauso wie 80 Mio. € Jahresgehalt. Aber dann…
Die Finanzkrise erschwerte die Refinanzierung des Megadeals, weil die Banken und Investoren in diesen Größenordnungen zittriger wurden. Gleichzeitig machten Ferdinand Piech, zwar Porsche-Erbe und –Miteigentümer, aber noch viel mehr „VW-Auto-Gott“, und der starke VW-Betriebsrat ordentlich Stimmung und schließlich wurde nicht wie erhofft das VW-Gesetz gekippt, das dem Land Niedersachsen eine Stimmrechtsmehrheit sichert. Doch genau diese Stimmen hätte Porsche gebraucht, um einen Gewinnabführungsvertrag mit VW durchzudrücken, der die Rückzahlung der Porsche-Kredite gesichert hätte. So blieb der große Peis für die Übernahme am Ende unbezahlbar (natürlich nicht für die Scheichs aus Katar). Hoch geflogen, tief gefallen. Das große Ziel war viel zu weit. Statt Siegerlächeln, Abschiedstränen. Alles Gute, Wendelin. Aber mit Ihrer Vita wird schon irgendwo ein gut dotierter Beratervertrag zu kriegen sein. Und danke für einen grandiosen Wirtschaftskrimi mit egozentrischen Laienschauspielern namens Porsche oder Piech. PS: 2003 erhielt Wendelin Wiedeking den karnevalistischen Orden wider den tierischen Ernst für die Verbindung aus wirtschaftlicher Kompetenz und Menschlichkeit. Von seinen „nur“ 50 Millionen Euro Abfindung (es wird gemunkelt, es hätten ihm 150-280 Millionen zugestanden) spendet er jetzt sofort die Hälfte für gute Zwecke…
Auch der Dax meinte es im Juli gut mit uns. Von seinem Verlaufstief knapp über 4.500 marschierte er schnurstracks durch bis über 5.300 Punke. Das sind gut 17% in gerade mal 2 Wochen. Und dabei sah doch alles eher nach 4.000 aus. Keiner weiß so recht, woher dieser plötzliche Stimmungswandel kam, gab es doch neben einigen Hoffnung stiftenden Indikatoren auch eine ganze Reihe von negativen Unternehmensausblicken. Da sucht wohl das überbordende billige Geld nach Anlagealternativen. Von Kaufpanik wurde zuletzt gesprochen, jeder springt auf den Zug auf, den er von März bis Juni doch schon einmal verpaßt hatte. Prompt werden Kursziele von 5.800 – 6.000 herumgereicht. Das schreit förmlich nach Korrektur, aber die Bären haben sich in den letzten Tagen schon ordentlich blutige Nasen geholt und trauen sich aus ihren Höhlen kaum noch raus.
Dollar und Gold laufen weiter seitwärts. Ewig wird das nicht so weitergehen, der richtungsweisende Ausbruch nach oben oder unten kommt näher. Während ich bei Euro/Dollar gute Chancen für einen Ausbruch über die 1,43 sehe, glaube ich nach wie vor nicht an Gold über 1.000 $. Dafür scheinen die Investoren derzeit zu heißrungig auf Risiko und Rendite zu sein. Im Moment noch. Denn wem ist eigentlich aufgefallen, dass die Börsen in China, Indien, Russland, Brasilien, Thailand usw. dieses Jahr schon 40, 60, 80 % zugelegt haben? Na klar, sie sind ja vorher auch heftigst gefallen. Aber wenn dieses Tempo weitergeht, hätten wir ja quasi Weihnachten schon wieder neue Allzeithochs. Und das mag ich nun wirklich nicht glauben, denn da war doch kürzlich noch was?
Ach ja, der Zusammenbruch des globalen Finanzsystems, Staatsverschuldungen in Billionenhöhe und Weltrezession. Konnte man in den letzten 2 Wochen ja fast vergessen…War`s das also? Wer diese große Preisfrage richtig beantwortet, kann sich wohl auf einen schönen Hauptgewinn freuen.


Eure Elly Grünspan