Liebe Freunde
von Märchen aus 1001 Nacht!
von Elly Grünspan
(Wittenberge, 30.11.2009) |
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Orientalische Märchen haben
seit jeher eine faszinierende Wirkung in den westlichen
Kulturen erzielt.
Die Erzählungen von mächtigen Sultanen
und ihren bezaubernden Haremsdamen, von tapferen,
den Krummsägel schwin-genden Kriegern und von
Handels-karawanen, die mit Gewürzen und Gold
die Wüsten durchquerten, sind verarbeitet in
Kindergeschichten, Hollywoodfilmen und klassischen
Opern. An einem modernen Märchen schrieb man
in den letzten Jahren in Dubai. Geschätzte
300 Mrd. USD wurden dort in fantastische Bauvorhaben
investiert um dem einstmals unscheinbaren Wüstendorf
in ein paar Jahrzehnten die wirtschaftliche Unabhängigkeit
von den (ohnehin vergleichsweise kleinen) Ölvorkommen
zu sichern. Das edelste Hotel (Burj al Arab), der
höchste Turm (Burj Dubai), die künstlichen
Inseln The Palm und The
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World usw.
– alles Superlative aus Glas, Stahl und Beton, veredelt
mit ganz viel Gold und in kürzester Zeit aus dem Sandboden
gestampft. Geld spielte keine Rolle. Da staunte der Tourist
und der Investor freute sich. Aber hat man sich insgeheim
nicht manchmal schon gefragt, wohin das führen soll?
Jetzt scheint das erste Blattgold von den noch frischen
Fassaden zu bröckeln: Staatseigene Finanzholdings und
Baukonzerne haben Zahlungsschwierigkeiten. Das Emirat sitzt
auf einem Schuldenberg von etwa 80 Mrd. USD. Ganze Etagen
in den neuen Wolkenkratzern stehen leer, die Preise für
Luxusimmobilien fallen. Auf 2/3 der Baustellen wurden die
Arbeiten eingestellt.
Wird die blühendste Oase der Wirtschaftswelt zur Finanz-Fata
Morgana? Sind die schillerndsten Träume der Scheichs
doch nur auf Sand gebaut? Verbrennen Anleger-Milliarden
in der gleissenden Hitze der Wüstensonne? Mit dem Turmbau
zu Babel (geografisch gar nicht so weit weg) wollten die
Menschen einst in biblischen Zeiten den Himmel erreichen,
das Ende ist bekannt. Ganz sicher brauchen wir uns um den
Staat Dubai und seine weit verzweigte Herrscherfamilie keine
Sorgen machen. Anders als z.B. Island wird es als Teil der
Vereinigten Arabischen Emirate schon unter einen rettenden
Schutzschirm schlüpfen können. Allein der Nachbar
Abu Dabi hat einen 300 Mrd. Dollar schweren Staatsfonds.
Hungern muss keiner und für den obligatorischen Mercedes
nebst Porsche-Zweitwagen wird es auch künftig reichen,
zumal Abu Dabi und Katar als Großaktionäre bei
beiden Herstellern vielleicht einen Hausrabatt aushandeln
können.
Schlechter bestellt ist es um die tausenden Billiglohnarbeiter
aus Pakistan, Indien usw. auf den Baustellen. Und auch so
mancher Investor wird nach den dicken Gewinnen der vergangenen
Jahre ein paar schmerzliche Verluste hinnehmen müssen.
Allein die Ankündigung der akuten Finanznöte des
kleinen Emirats hat die weltweiten Börsen heftig auf
Tauchstation geschickt. Eigentlich etwas verwunderlich,
denn Dubai ist noch nicht wirklich eine Schaltstelle des
weltweiten Wirtschafts- und Finanzsystems. Aber zum einen
kam die Nachricht dann doch überraschend, was Börsianer
gar nicht mögen, und die Probleme Dubais stehen stellvertretend
für Entwicklungen in anderen, bedeutenderen Industrienationen
– die Immobilienkrise in den USA ist noch nicht ausgestanden
und in China braut sich seit einiger Zeit ein ähnliches
Szenario zusammen. Infrastrukturmassnahmen als Konjunkturprogramme
zur Rettung der Weltwirtschaft schaffen Kapazitäten,
die keiner braucht, und Schulden, die niemand mehr abbezahlen
kann. Wenn diese Blasen platzen, möchte ich mein Geld
längst unter dem Kopfkissen haben. Oder kleine Goldbarren
unterm Bett…
Sind wir beim Gold - ich gestehe ein, dass ich diesen Aufschwung
des gelben Metalls bis knapp an die 1.200 $ nicht für
möglich gehalten habe. Oder für möglich ja,
aber nicht für realistisch. Aber Liqudität ist
nach wie vor reichlich vorhanden und wohin man derzeit schaut,
überall werden Kaufempfehlungen ausgesprochen: physisches
Gold, Goldfonds, Goldzertifikate. Mit den zuströmenden
Anlegergeldern sind die Fondsmanager dann gezwungen wieder
Gold zu kaufen, was die Kurse weiter treibt. Die Hausse
nährt die Hausse, heisst diese Entwicklung an der Börse.
Am Chartbild zu erkennen als sogenannter Fahnenmast, i.d.R.
das finale Stadium eines Aufwärtstrends. Schauen Sie
sich doch bitte mal den aktuellen Goldchart an. Fraglich
ist nur, ob das Ende der Fahnenstange bei 1.200 oder 1.400
$ wartet. Aber dann werden die Bullen geschlachtet…
Der Dow ist charttechnisch immer noch in einem wunderschönen
Aufwärtstrend und bietet daher wenig Anhaltspunkte
für eine Trendumkehr. Der Dax scheint eine Korrektur
eingeleitet zu haben, sein Versuch in den Aufwärtstrend
zurückzukehren, scheiterte mehrfach. Dafür spricht
auch, dass die Mehrzahl der Marktteilnehmer derzeit eher
von günstigen Kaufgelegenheiten spricht und die traditionelle
Jahresend-Ralley heraufbeschwört.
Der Euro hing an der 1,50 fest, um sie dann doch noch im
letzten Moment zu überspringen. Erst die Nachrichten
aus Dubai stärkten den Dollar wieder etwas. Ich glaube
an den Märkten ist vorerst die Luft (nach oben) raus,
auf jeden Fall aber bei mir. Ich habe für dieses Jahr
meine Bücher geschlossen. Nur bei ganz extremen Schwankungen
werde ich mich vielleicht noch zu dem ein oder anderen kleinen
Trade hinreissen lassen. Ansonsten geniesse ich lieber die
Ruhe und Stille der Adventszeit nach einem überaus
hektischen Börsenjahr. Eine schöne Vorweihnachtszeit
und frohes Fest!
Eure Elly Grünspan
PS: Am 01.01.2010 geht Norbert Walter in Rente. Sehen
wir ihn jetzt noch öfter in Talkshows?
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